Meine Geschichte
Mein Name ist Anke Harling.
Ich bin ausgebildete Trauerbegleiterin und selbst eine verwaiste Mutter.
Mein dritter Sohn Lenn starb plötzlich und unerwartet im Alter von zweieinhalb Jahren. Diese Erfahrung hat mein Leben grundlegend verändert – nicht nur äußerlich, sondern in allem, was mich als Mutter, als Frau und als Mensch ausmacht.
Ich bin auch Mutter lebender Kinder.
Und ich kenne die besondere innere Dynamik, die entsteht, wenn nach dem Verlust eines Kindes neues Leben ins Blickfeld rückt – als Wunsch, als Schwangerschaft oder als Folgekind. Ebenso kenne ich die feinen, oft übersehenen Prozesse, die Geschwisterkinder in dieser Zeit durchleben: ihr Mittragen der Trauer, ihre Anpassung, ihre eigenen Fragen, Gefühle und Loyalitäten. Diese Erfahrungen sind geprägt von tiefer Liebe, aber oft auch von Ambivalenz, Schuldgefühlen, Angst und inneren Spannungen.
Aus dieser persönlichen und fachlichen Erfahrung heraus begleite ich heute Trauernde in unterschiedlichen Verlustsituationen.
Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt dabei in der Begleitung von Müttern, die ihr Kind verloren haben und von Menschen, die sie in dieser besonderen Situation professionell unterstützen.
In meiner Arbeit verbinde ich Fachwissen mit einer klaren, zugewandten Sprache und einem feinen Gespür für das, was zwischen Trauer, (Ver-)Bindung und neuem Leben steht.
Ein wichtiger Teil meines eigenen Trauerwegs war das Schreiben.
Ich habe damit begonnen, als mein Umfeld zunehmend überfordert war, als Worte fehlten, als das Leben der anderen weiterging und meine Trauer darin kaum noch Platz fand. Ich begann, Briefe an meinen Sohn Lenn zu schreiben, um meine Trauer weiter leben zu können.
Schreiben wurde für mich ein Raum, in dem alles da sein durfte – ungeordnet, widersprüchlich, roh. Es half mir, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren, zu kanalisieren und mir selbst und meinem Sohn wieder näherzukommen.
Diese Erfahrung prägt meine Arbeit bis heute.
Sie ist ein wesentlicher Grund dafür, warum schriftbasierte Begleitung für mich kein Ersatz, sondern eine eigenständige und kraftvolle Form der Trauerbegleitung ist.
Trauer darf sein.
Leben auch.


